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Blog meinweg - deinweg

Was Sterbende für dich tun können - und du für sie

Geschrieben von Nicole

Heute möchte ich dir gerne etwas Persönliches erzählen.

Es geht ums Sterben bzw. den Umgang damit. Ein Thema, das oft mit Angst verbunden ist. Mit Angst und Verdrängung. Doch gerade darüber sollten wir sprechen.

Weil es am Ende uns ALLE betrifft.

Das jedenfalls ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Betrachte diese Uhr:

Die Zeit läuft ab... Ob wir wollen oder nicht. Uhr im Sand.

Mache dir klar:

Das ist deine LEBENS (!!!)zeit, die abläuft.

Dabei ist es egal, ob es regnet oder schneit. Ob die Sonne scheint. Ob du gut drauf bist oder schlecht gelaunt. Ob du dich gerade verliebt hast oder dich trennst.

Die Uhr läuft weiter.

IMMER.

Erst gestern habe ich von einem 21-jährigen Studenten gelesen, der nach einer Feiernacht von einer U-Bahn mitgerissen und getötet wurde. Weil er in der U-Bahn eine Freundin erkannt und neben dem Fahrzeug hergerannt ist. Einmal gestolpert und ...

Ich glaube nicht, dass er gewusst hat, dass seine Lebenszeit in dieser Nacht abgelaufen ist. Gottseidank hat er es nicht gewusst, der arme Kerl.

Gruselig nicht?

Es zeigt, dass es jedem passieren kann.

Jederzeit und überall.

Deswegen ist es wichtig, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Und zwar besser früher als später...

Vielleicht verhilft diese Geschichte dir ja zu einem besseren Umgang mit dem Sterben.

Und damit auch dem Leben…?


Mein persönlicher Bezug zum Sterben

Mein Job als Sozialpädagogin bringt es mit sich, dass ich manchmal an Betten stehe und Kontakt zu Menschen habe, die sterben werden.

Oft habe ich diese Menschen schon vorher jahrelang begleitet, d.h. ich kenne sie ganz gut und weiß um ihre Lebensgeschichte. Ich kann also einschätzen, woran der Sterbende früher Freude hatte oder welche Themen ihn eher belasten. Das gibt mir die Möglichkeit, auf diese Personen besser eingehen zu können.

Denn am Ende wird nicht mehr viel gesprochen.

Trotzdem kann auch ohne Worte

immer noch vieles gesagt werden.

Grundsätzlich jedoch stelle ich Eines fest:

Es ist nie leicht.

Es ist nie leicht, sich von Jemandem zu verabschieden. Ihn gehen zu lassen.

Plötzlich ganz klar zu wissen:

"Es ist soweit."

Doch für den Sterbenden selbst ist es manchmal eine Erlösung.

Weil die Realität oft nur noch so aussieht, hilflos im Bett zu liegen und auf den Tod zu warten.

Das ist schlimm.

Und wirklich keines Menschen würdig.

So geschehen auch meinem Nachbarn. Einem 81-jährigen Mann, von dem ich meine beiden Katzen bekommen habe.


Unsere gemeinsame Geschichte ist folgende:

Vor etwa drei Jahren zogen mein Lebensgefährte und ich aufs Land. In ein Haus mit Garten direkt am Waldrand. Der Garten war ziemlich verwildert, weshalb ich mich daran machte, ihn neu zu bepflanzen.

Damals ging es mir nicht gut.

Ich steckte in einer beruflichen Krise und war froh, Abstand vom stressigen Stadtleben zu bekommen.

Vom ersten Tag an leistete mir eine Glückskatze Gesellschaft. Immer wenn ich im Garten war, saß sie neben mir und schaute mich mit großen Augen an.

Das ist die kleine Maus:

Miezi - die Katze, die mir von Anfang an Gesellschaft leistete

Ich war immer schon eine Katzenliebhaberin. Da ich jedoch nicht wusste, wem die Katze gehörte, fütterte ich sie nicht.

Trotzdem kam sie immer wieder und hielt sich bei uns auf.

Eines Tages klingelte es an der Tür.

Eine Dame von der Katzenhilfe stand davor und zeigte mir das Bild einer dreifarbigen Katze. Sie fragte mich, ob ich sie kenne. Schlechten Gewissens erklärte ich, dass diese Katze täglich bei uns vorbeischauen würde.

 

Da lächelte sie und meinte:

„Na, da hat sie ja ihre neue Heimat bereits gefunden.“

 

Die Frau von der Katzenhilfe klärte mich darüber auf, dass die Katze meinem Nachbarn gehörte. Dieser lebe alleine mit seinen fünf Katzen und würde nun ins Altenheim kommen. Sie fragte mich, ob wir zwei der Katzen nehmen würden.

Da mein Lebensgefährte und ich Katzen lieben, sagten wir ja.

Das war eine gute Entscheidung, die wir bis heute nicht bereuen. Miezi und Mucki gehören zu unserer Familie und haben sich gut eingelebt.

Ein paar Wochen später besuchte ich den alten Mann, um mich bei ihm zu bedanken.

Sofort hatten wir einen guten Draht zueinander.

Er hatte Zeit seines Lebens in seinem Haus nahe am Waldrand gelebt und sich dort sehr wohl gefühlt. Da er sich alleine nicht mehr versorgen konnte, musste er ins Altenheim umziehen und war darüber nicht glücklich.

Trotzdem sah er ein, dass es notwendig war.

Ich beschloss, ihn regelmäßig zu besuchen.

Dabei brachte ich ihm immer Bilder von seinen Katzen und berichtete von unserem Leben.

Ich hatte es mir mittlerweile zur Gewohnheit gemacht, täglich im Wald spazieren zu gehen. Das beruhigte mich und gab mir ein Gefühl von Freiheit.

Als ich dem alten Mann das erzählte, rannte ich offene Türen ein.

Er hatte es immer genauso gemacht.

So lief das einige Jahre.

Bis es ihm gesundheitlich schlechter ging.

So schlecht, dass er irgendwann bettlägerig wurde.

Das das erste Mal zu sehen, hat mich geschockt.

Ein paar Wochen davor hatten wir beide noch ganz normal an einem Tisch gesessen und uns über das Leben unterhalten. Da hatte er gesund und fidel gewirkt. Wenn auch etwas bedrückt, weil er sich im Altenheim nicht ganz wohl fühlte.

Bei meinem nächsten Besuch lag er kalkweiß in seinem Bett.

Die Augen waren geschlossen. Die Hände über dem Bauch verschränkt.

Fast wirkte es auf mich, als wäre er schon tot.

Ich hatte ihm einen italienischen Kaffee und ein großes Stück Sahnetorte mitgebracht. Das hatte ihn in der Vergangenheit immer sehr gefreut. Auch dieses Mal tat es das, aber es war anders.

Ganz anders.

Diesmal musste ich ihm Gabel für Gabel eingeben.

Und ihm den Kaffee in einer Schnabeltasse reichen.

Er konnte nicht aufrecht sitzen, weil ihn das schmerzte. Also aßen wir im Liegen.

Ständig hatte ich Angst, dass er sich verschluckt.

Doch als er lächelte und sich immer wieder für das gute Stück Torte bedankte, entspannte ich mich.

Etwas in ihm war also doch noch am Leben.

Trotzdem tat er mir so furchtbar leid.

Ich wusste, dass ihn nicht mehr viele Menschen besuchten.

Man hatte ihn außerdem in ein Zimmer verlegt, wo keine Bilder mehr an der Wand hingen. Ein kahler, ungemütlicher Raum. Einzig und alleine eine Uhr befand sich in seinem Blickfeld. Und sterile, weiße Wände.

Vorbei waren die Zeiten, an denen er Katzenbilder bewunderte oder Bücher lesen konnte. Er war zu schwach dafür.

Unser Gespräch verlief stockend. Immer wieder schlief er dabei ein. Doch dann wurde er wieder wach und fragte interessiert nach meinem Leben.

Ich spürte, dass es nicht mehr um große Gespräche ging.

Es ging um das "Da sein".

Das war das Einzige, was nun noch zählte.

Also fasste ich seine Hand und war da.

Diese Szene erinnerte mich an eine andere Frau, die ich vor Jahren im Altenheim betreut hatte.

Sie lag im Sterben, hatte aber keine Angehörigen mehr.

Man ließ sie alleine im Bett liegen und wendete sie immer wieder, damit sie sich nicht wundlag.

Die Pflegekräfte dokumentierten dies regelmäßig. Auch ich hatte Zugriff auf diese Dokumentation.

Eines Tages hieß es, sie sei verstorben.

Traurig las ich die Dokumentation.

Der letzte Eintrag lautete folgendermaßen:

 

„17.30 Uhr. Habe Frau K. noch einmal gewendet. Verweigert Essen. Bittet darum, nicht alleine sein zu müssen. Ich erklärte ihr, dass ich noch andere Bewohner zu versorgen hätte und später noch einmal käme. Dann verließ ich den Raum und machte weiter mit meiner Schicht."

 

"21.00 Uhr. Als ich das Zimmer betrete, ist Frau K. verstorben. Hausarzt ist informiert.“

 

Ich weiß nicht warum, aber als ich das damals las, lief es mir kalt den Rücken hinunter.

Ich stellte mir vor, wie viel Angst diese arme Frau gehabt haben musste. Sie starb alleine, wie wahrscheinlich viele Menschen.

Gerade in den letzten Stunden braucht man doch jemanden,

der da ist und die Hand hält!

Trotzdem kann man den Pflegekräften in den Altenheimen keinen Vorwurf machen. Sie sind häufig unterbesetzt und haben zu wenig Zeit für zu viele alte Menschen.

Aber das ist ein anderes Thema und gehört nicht hierher.


Ich wünsche mir jedenfalls, dass es für meinen Nachbarn anders läuft.

Ich wünsche mir für ihn, dass jemand mit ihm diesen Weg geht.

Jemand, der ihm nahe steht.

Auch ich habe an diesem Tag sein Zimmer verlassen und ihm versprochen, dass ich bald wiederkomme.

Ob ich ihn noch einmal lebend wiedersehe, weiß ich nicht. Ehrlich gesagt, glaube ich es nicht.

Als ich ging, meinte er:

 

„Heute war ein schöner Tag für mich, weil Sie da waren.“

 

Das hat mich sehr berührt und gleichzeitig getroffen.

Einen Tag später ging ich in den Wald und betrachtete von einem erhabenen Punkt aus den Sonnenaufgang.

Ich dachte an meinen Nachbarn und sprach ein Gebet für ihn. Ich betete, dass Gott es ihm leichter macht, zu gehen. Ich betete, dass er nicht alleine sein muss in seiner Sterbestunde. Ich betete, dass er sich an all die schönen Momente erinnert, die er in seinem Leben hatte. Und ich dankte ihm dafür, dass er mir so viel gegeben hatte.

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Was genau er mir gegeben hat?

Dies möchte ich dir gerne abschließend noch einmal nahebringen.

Was dir ein Sterbender geben kann

Nun, zunächst einmal in meinem persönlichen Fall zwei wunderbare Katzen.

Eine gute gemeinsame Zeit mit intensiven Gesprächen.

Hoffnung für die Zukunft.

Weil der Mann mir gezeigt hat, dass es viel wichtigere Dinge als Karriere und ständiges Beschäftigtsein gibt.

Was er mir aber am meisten gegeben hat ist folgendes:

Wertschätzung für das LEBEN.

Für jeden einzelnen Tag.

Wertschätzung für das, was ich habe, tue oder bin.

Wertschätzung für meine Jugend und Gesundheit.

Wertschätzung für alles und jeden um mich herum.

Denn er kann jetzt nicht mehr aufstehen und

mit einer Zeitung seinen Morgenkaffee genießen,

so wie er es früher getan hat.

Er kann nicht mehr in den Wald gehen und dem Vogelgezwitscher lauschen.

Er spürt nicht mehr die wärmende Kraft der Sonne auf seiner Haut.

Er kann nicht mehr zu seinen Lieben gehen und sie umarmen.

Er wird nicht mehr an einem Strand sitzen und die Wellen betrachten.

Das und noch viel mehr ist leider vorbei.

Genauso wie sein Leben es bald sein wird.

Ich hoffe wirklich, ich habe ihm auch etwas gegeben.


Was du einem Sterbenden geben kannst

Vielleicht konnte ich ihm ja etwas Gutes aus meinem Leben transportieren.

Etwas, das ihm seine Vergangenheit wieder näher gebracht hat.

Vielleicht konnte er sich durch meine Erzählungen an sich selbst erinnern und das, was er gehabt hat.

Vielleicht hatte er einen schönen Moment, als ich ihn besuchte.

Vielleicht genoss er ein letztes Mal ein richtig gutes Stück Torte und seinen geliebten Kaffee.

Ich wünsche es mir…


Das habe ich im Umgang mit Sterbenden gelernt

Diese Geschichte wird mich noch länger beschäftigen.

Weil sie mir vor Augen führt, dass wir das Leben

unbedingt JETZT genießen sollten.

Lass nicht zu, dass (manchmal) banale Alltagsbelastungen dich daran hindern, ein Leben zu führen, in dem du dich wohlfühlst und das du wertschätzt.

Behalte im Blick, dass das Leben ENDLICH ist.

Und, dass es unglaublich KOSTBAR ist.

Mir zumindest ist dies jetzt wieder sehr bewusst…

Danke für deine (Lebens-) Zeit!!

Alles Liebe,

Nicole

Bild: Fotolia: #104168453 © vetre

P.S. Hast du ebenfalls so eine Geschichte erlebt oder möchtest etwas zu diesem Thema sagen? Ich freue mich über deinen Kommentar!

Mit diesem Beitrag nehme ich an der Blogparade zum Thema aktive Persönlichkeitsentwicklung von Quality Lifestyle teil.

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Über den Autor

Nicole

Nicole

Hi, mein Name ist Nicole,
ich bin Sozialpädagogin und Trainerin für Biografisches Arbeiten, was ich als meine persönliche berufliche Erfüllung bezeichne. Daneben gehe ich in die beste Schule überhaupt: Das Leben!

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